Die Maßnahme „Renaturierung“ klingt – in Bezug auf Hochwasserereignisse – natürlich gut. Die Umsetzung ist um einiges schwieriger. Während unsere Vorfahren ihre Baugründe noch sehr sorgfältig ausgesucht und tendenziell in geomorphologisch günstigen Lagen gebaut hatten, maßen wir uns heute an, überall bauen zu können und zu wollen.
Dass aufgrund der engen Besiedelung und des Flächenverbrauches unsere Fließgewässer nicht mehr über jene Überschwemmungsgebiete verfügen, die ihnen vor Jahrhunderten zur Verfügung standen, liegt auf der Hand. Dort, wo früher natürliche Auen verfügbar waren, die immer wieder einmal überschwemmt wurden und dadurch den Durchfluss im Flussquerschnitt reduzierten, sind heute Straßen, Eisenbahnen, Industriegebiete und Siedlungen angeordnet.
Selbstverständlich ist es heute wichtig, dass dort, wo möglich, Retentionsräume entstehen, dass der Versiegelung entgegen gewirkt wird, dass Begrünungen vorgesehen werden und infolgedessen die Oberflächenabflüsse minimiert werden. Faktisch wirken Renaturierungen allerdings ergänzend, weil im Bereich von hundertjährigen Hochwasserereignissen sehr viele ungünstige Faktoren zusammen kommen und die immensen Wassermassen technisch abgeleitet werden und unsere gebauten Siedlungen geschützt werden müssen.
Renaturierungen sehen im Bereich Hochwasserschutz wie folgt aus:
Ingenieurbiologische Maßnahmen: Aufforstungen, Regenwassernutzungen, Rückhalteeinrichtungen wie Becken und Talsperren im Oberlauf. Im Mittel- und Unterlauf sind Retentionsräume zu schaffen.
Rückgewinnung von Auen: Durch die Renaturierung von Überschwemmungsgebieten (Auen) können Flüsse bei Hochwasser wieder in diese Bereiche ausweichen. Auen wirken wie natürliche Schwämme, die Wasser aufnehmen und die Hochwasserspitzen senken.
Flussaufweitung und Mäandrierung: Begradigte Flüsse werden wieder in ihren natürlichen Verlauf zurückgeführt, indem sie verbreitert und in Mäander gelegt werden. Dies reduziert die Fließgeschwindigkeit des Wassers und mindert das Risiko von Überschwemmungen stromabwärts.
Die Frage, die sich letztlich stellt, ist, ob wir den Raum zur Verfügung stellen können und wollen, in dem sich Renaturierung abspielt. Dass Renaturierung bedeuten würde, dass jener Bereich, der im Hochwasserfall für den Durchfluss notwendig ist, begrünt wird, ist nämlich fatal: Dadurch wird nämlich der Durchflussquerschnitt reduziert und mit Widerständen ausgestattet, sodass sich Staueffekte ergeben, die nicht wünschenswert sind.


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