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Jagd und Jagdethik: Wieso wir die Jagd brauchen

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Bei Jagdgegnern hat die Jagd einen naturgemäß schweren Stand.

Spricht man über die Jagd, muss zuallererst von der Prämisse ausgegangen werden, dass es heute keine unberührte Natur mehr gibt. Alle so genannten „Naturräume“ stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Kulturraum, weil der Mensch als Walter und Gestalter auftritt.

Philosophisch betrachtet ist der Anthropozentrismus der Ausgangspunkt. Der Mensch steht dabei im Mittelpunkt des weltlichen Seins. Wenngleich dieser anthropozentrischen Sichtweise im Sinne eines sittlichen Gemeinwesens eine Verantwortung für das Ganze entspricht. „Nur allein der Mensch Vermag das Unmögliche: Er unterscheidet, Wählet und richtet; Er kann dem Augenblick Dauer verleihen“ schreibt Goethe.

Prinzipielle Gegner der Jagd beziehen sich auf verschiedene Philosophien: Der Biozentrismus geht von der Gleichwertigkeit aller Lebewesen aus. Der Ökozentrismus erweitert diesen Blick sogar auf alle Elemente der Natur. Selbstverständlich spricht einiges dafür, der Natur zu ihrem Recht zu verhelfen. Unsere menschliche Zivilisation ist allerdings in Kontrast, aber auch in Ehrerbietung gegenüber der Natur entstanden und hat eine menschliche Natur zum Inhalt. Daraus resultiert ein moderater Anthropozentrismus.

Abseits einseitiger Sichtweisen spricht vieles für die Jagd:

Die Jagd trägt zur Bestandskontrolle bestimmter Tierarten bei, um Überpopulation und die daraus resultierenden Probleme wie Habitatzerstörung und Nahrungsknappheit zu verhindern.

Die Jagd trägt zur Erhaltung der Biodiversität bei, indem invasive Arten kontrolliert und bedrohte Pflanzen- und Tierarten geschützt werden.

Die Jagd trägt zur Gesundheit von Populationen bei, indem kranke oder schwache Individuen entfernt werden, was das Risiko von Seuchen und Krankheiten reduziert.

Jagd bietet eine Quelle für natürliches, biologisches Fleisch, das ethischer und nachhaltiger ist als industriell erzeugtes Fleisch.

Wild kann erhebliche Schäden an der Landwirtschaft verursachen. Durch die Jagd wird die Population kontrolliert, sodass Ernteverluste minimiert werden. Raubtiere wie Wolf, Bär oder Fuchs gefährden darüber hinaus Nutztiere.

Große Populationen von Pflanzenfressern können junge Bäume und Setzlinge erheblich schädigen, was die natürliche Waldregeneration beeinträchtigt. Die Jagd trägt zur Reduzierung dieser Populationen bei und fördert somit die Erneuerung und das Wachstum der Wälder. Der positive Effekt betrifft sowohl die Schutzwälder und die Naturgefahrenprävention sowie die Forstwirtschaft.

Durch die Kontrolle bestimmter Tierpopulationen wird die Artenvielfalt gefördert, da übermäßiger Fraßdruck auf bestimmte Pflanzenarten reduziert wird, was zu einem ausgewogeneren Ökosystem führt.

Im Übrigen stellt heute nicht die Jagd die größte Gefahr für das Wild dar, sondern die massive Einschränkung der Rückzugsgebiete durch Verkehrsinfrastruktur, Siedlungen, Tourismus und Wintersport.

Literatur:

[1] Markus Moling: „Wie wir jagen wollen: Ethische Überlegungen im Umgang mit Wildtieren“, Athesia Verlag, Bozen 2020

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