Die hydrogeologische Lage Venedigs ist häufig ein öffentlichkeitswirksames Thema. Mehrere Male pro Jahr wird Venedig überschwemmt. Das Absinken der Stadt in einem Ausmaß von rund 2 Millimetern pro Jahr wird ein ernsthaftes Problem für die Stadt in der Lagune.
Die Lagune von Venedig liegt in einer geologisch aktiven Region, die durch die Konvergenz der eurasischen und der afrikanischen Platte geprägt ist. Diese Plattenbewegungen führen zu komplexen tektonischen Prozessen, die die Region beeinflussen.
Geologische Entstehung und Merkmale
Ursprung und Entwicklung:
Während des Quartärs erlebte die Region zahlreiche klimatische Schwankungen, die mit Eiszeiten und Zwischeneiszeiten verbunden waren. Diese Perioden beeinflussten den Meeresspiegel und die Sedimentablagerungen in der Region.
Nach dem Ende der letzten Eiszeit begann der Meeresspiegel aufgrund des Abschmelzens der Eismassen und der thermischen Ausdehnung des Wassers zu steigen. Dieser Anstieg führte zur Überflutung der küstennahen Tiefländer und zur Bildung von Flussdeltas und Küstenlagunen.
Vor etwa 6.000 Jahren begann sich die Lagune von Venedig zu formen. Die Flüsse Po, Piave, Brenta und andere trugen große Mengen an Sedimenten in die Adria, die sich an der Küste ablagerten. Diese Sedimente bildeten Sandbänke und Barriereinseln, die allmählich die Lagune abgrenzten.
Sedimentation:
Die Lagune ist ein dynamisches Sedimentationsgebiet, in dem sich ständig Sedimente ablagern und umverteilt werden. Diese Sedimente bestehen hauptsächlich aus Schluff, Ton und Sand und stammen von Flüssen, die ins Meer münden, sowie von der Küstenerosion.
Das Hinterland von Jesolo ist Teil einer ausgedehnten alluvialen Ebene, die durch die Ablagerungen von Flüssen während Hochwasserereignissen entstanden ist. Diese Ebene ist relativ flach und besteht aus gut sortierten Sanden und Schluffen, die ideal für die Landwirtschaft sind.
Hydrodynamik:
Die Hydrodynamik der Lagune wird stark von den Gezeiten beeinflusst, die das Wasser durch drei Hauptöffnungen (Lidos, Malamocco und Chioggia) in die Lagune ein- und ausströmen lassen. Diese Gezeitenströmungen tragen dazu bei, die Sedimente zu transportieren und die Morphologie der Lagune zu gestalten.
Die Küstenlinie von Jesolo wird durch dynamische Prozesse wie Wellen, Gezeiten und Küstenströmungen geformt. Diese Prozesse führen zu einer ständigen Umverteilung der Sandablagerungen und zur Bildung von Sanddünen und Strandwällen.
Menschliche Eingriffe
Kanalisierung und Entwässerung:
Im Laufe der Jahrhunderte hat der Mensch intensiv in die natürliche Dynamik der Lagune eingegriffen. Dazu gehört die Kanalisierung von Flüssen, um Überschwemmungen zu kontrollieren, und die Entwässerung von Feuchtgebieten, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen.
Bau von Dämmen und Barrieren:
Zur Kontrolle der Wasserbewegungen und zum Schutz vor Überschwemmungen wurden verschiedene Dämme und Barrieren errichtet. Das bekannteste Projekt ist das MOSE (Modulo Sperimentale Elettromeccanico), ein System von beweglichen Barrieren, das Hochwasser und Sturmfluten abwehren soll.
Landgewinnung und Urbanisierung:
Teile der Lagune wurden durch Landgewinnung für die Urbanisierung nutzbar gemacht, was die natürliche Dynamik und das ökologische Gleichgewicht der Lagune verändert hat.
Ökologische Aspekte
Biodiversität:
Die Lagune von Venedig beherbergt eine reiche Biodiversität mit zahlreichen Pflanzen- und Tierarten, die an das brackige Wasser und die wechselnden Umweltbedingungen angepasst sind.
Schutzgebiete:
Verschiedene Teile der Lagune sind als Schutzgebiete ausgewiesen, um die empfindlichen Ökosysteme und die Biodiversität zu erhalten. In der Umgebung von Jesolo gibt es mehrere Feuchtgebiete, die wichtige ökologische Nischen darstellen. Diese Gebiete sind oft durch die Ansammlung von organischen Sedimenten gekennzeichnet und bieten Lebensräume für eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Subsidenz und Anstieg des Meeresspiegels:
Die Stadt Venedig und die umliegende Lagune sind von natürlicher Subsidenz (Bodensenkung) betroffen, die durch menschliche Aktivitäten wie Grundwasserentnahme verstärkt wird. Zusammen mit dem Anstieg des Meeresspiegels infolge des Klimawandels stellt dies eine erhebliche Bedrohung dar.


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