Veränderungen, die mitunter notwendig sind, um Projekte und Vorhaben erfolgreicher abzuschließen, stehen vielfach im Kontrast zu einer grundsätzlichen Aversion gegenüber dem Unbekannten.
Woher kommt sie, die Ablehnung gegenüber dem Neuen? Vorausgeschickt sei, dass eine bestimmtes Maß an Skepsis gegenüber Neuheit berechtigt ist. Das Neue ist – und hier irrt der Progressismus – nicht „besser“, weil es „neu“ ist, sondern nur dann, wenn es objektiv betrachtet vorteilhafter ist.
Die Frage, die sich dann stellt, ist, worin die direkten Folgen für eine Organisation oder eine Gesellschaft bestehen, die eine grundlegende Aversion gegen Innovation entwickelt. Wachstum ist nämlich nur über Innovation denkbar. Bleibt Innovation aus, stellen sich Stillstand und Degeneration ein.
Die evolutionäre Psychologie erklärt die Tendenz zur Vorsicht gegenüber dem Unbekannten, weil unbekannte Reize potenzielle Gefahren bergen könnten. Diese Vorsicht half unseren Vorfahren, Bedrohungen zu vermeiden und zu überleben. Dies wird oft als „Negativitätsbias“ bezeichnet und besagt, dass Menschen negative oder bedrohliche Informationen stärker wahrnehmen und verarbeiten als neutrale oder positive Informationen.
Die Ablehnung von Veränderung hat vielfach mit reinem Selbstschutz zu tun. Die Theorie der kognitiven Dissonanz beschreibt den inneren Konflikt, der entsteht, wenn Menschen widersprüchliche Informationen oder Überzeugungen erleben. Das Unbekannte kann solche Dissonanzen hervorrufen, wenn es nicht mit dem bestehenden Weltbild übereinstimmt. Menschen neigen folglich dazu, die Dissonanzen zu reduzieren, indem sie das Unbekannte ablehnen oder bekämpfen, um ihre bestehenden Überzeugungen zu schützen.
Flankiert wird diese Haltung durch die Verfügbarkeitsheuristik, bei der Menschen die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen anhand der Leichtigkeit ihrer Abrufbarkeit aus dem Gedächtnis beurteilen. Wenn das Unbekannte als schwer einschätzbar und verständlich wahrgenommen wird, kann es zu einer überschätzten Bedrohung führen, was defensive oder aggressive Reaktionen auslöst.
Menschen werden besonders durch ihre Umgebung, Kultur und Gesellschaft geprägt. Normen und Werte, die in einer Kultur vorherrschen, beeinflussen, wie das Unbekannte wahrgenommen wird. Erlernte Vorurteile und Stereotype tragen dazu bei, dass Menschen dem Unbekannten feindlich gegenüberstehen.
Dass sich darin eine Form von Unsicherheit äußert, liegt auf der Hand. Menschen, die sichere Bindungen erfuhren, sind tendenziell offener gegenüber dem Unbekannten, während Menschen mit unsicheren Bindungen ängstlich und abwehrend reagieren.
Letztlich bedeutet Veränderung immer intellektuellen Aufwand sowie Verantwortung. Beide Prinzipien werden tendenziell gerne gemieden. Es ist grundsätzlich einfacher, neue Ideen und Perspektiven grundlegend abzulehnen, um sich nicht mit deren Substanz befassen zu müssen.
Das Verbleiben in unreflektierten Stereotypen schützt vor Veränderung, die als „anstrengend“ wahrgenommen wird. Insbesondere auch deshalb, weil Veränderung ein Mindestmaß an Haltung und an Standfestigkeit, auch im Gegenwind, bedingt. Eine substanzielle Standfestigkeit beschränkt sich nicht auf Sturheit, sondern übt sich in Dialektik und Verhandlungsführung.


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