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Geologie des Gardasees

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Die Geologie und Erdgeschichte des Gardasees ist das Ergebnis einer komplexen Kombination aus glazialer Erosion, tektonischen Bewegungen sowie sedimentären Prozessen. Das Verständnis der geologischen Hintergründe liefert wesentliche Erkenntnisse für das Lesen der Landschaft, aber auch für bauliche Eingriffe im Bereich des Baugrundes sowie der Hydrologie, die sich am Gardasee zwischen Fels und Lockergestein abspielen.

Das Klima am Gardasee ist mild und mediterran. Die umliegenden Hänge bieten Schutz und ermöglichen eine längere Sonnenexposition. Das Wasser wirkt als Wärmespeicher. Hinzu kommen die Winde. Die Ora (Südwind) ist ein thermischer Wind, der dadurch entsteht, dass die am See aufgeheizte Luft aufsteigt und Luftmassen aus der Poebene nachströmen lässt. Der Pelér (Nordwind) entsteht hingegen über Nacht, wenn sich das Land und besonders die Berge schneller abkühlt als der See und folglich die Luftmassen absinken. Der Pelér endet am frühen Nachmittag und schlägt zur Ora um.

Dieses besondere Klima bedingt die vielfältige Vegetation mit Palmen, Zypressen, Pinien, Zedern, Myrten, Oleandern, Lorbeeren, Eichen, Obstbäume und Zitrusfrüchten.

Der Gardasee verfügt über eine maximale Tiefe von etwa 346 Metern und eine durchschnittliche Tiefe von 136 Metern. Das Seewasser ist klar und nährstoffarm, was ihn zu einem oligotrophen See macht. Das hydrologische System des Gardasees wird stark von den saisonalen Niederschlägen und der Schneeschmelze in den Alpen beeinflusst.

Die Berge und Hügel um den Gardasee bestehen hauptsächlich aus sedimentären Gesteinen, insbesondere Kalkstein und Dolomit, die während der Jurazeit (vor etwa 200 bis 145 Millionen Jahren) und der Kreidezeit (vor etwa 145 bis 66 Millionen Jahren) abgelagert wurden. Diese Gesteine entstanden in einem flachen, warmen Meer, das einst die Region bedeckte. Die Ablagerungen von Kalk- und Dolomitgestein enthalten oft Fossilien von Meeresorganismen, die einen Einblick in das Leben während dieser geologischen Perioden geben.

In diesem Sinne gehören die Gardaseeberge zu den südlichen Kalkalpen.

Schnitt Gardasee (Link)

Die nördliche Region des Gardasees wird von den Südalpen dominiert, die durch die Kollision der eurasischen und der afrikanischen tektonischen Platte entstanden sind. Diese tektonischen Bewegungen führten zur Faltung und Hebung der Gesteinsschichten, was zur Bildung der alpinen Bergketten führte. In der Umgebung des Gardasees gibt es mehrere geologische Störungen und Verwerfungen. Eine bedeutende Verwerfung ist die Judikarien-Linie (Giudicarie-Linie), die sich nordwestlich des Sees erstreckt. Die Judikarienlinie trennt unterschiedliche geologische Einheiten: Westlich der Linie findet man hauptsächlich kristalline Gesteine, insbesondere Granite und Gneise des Adamellomassivs. Östlich der Linie dominieren Sedimentgesteine, hauptsächlich Kalksteine und Dolomite, die charakteristisch für die Dolomiten sind.

Die Judikarienlinie ist im Zusammenhang mit der Periadriatischen Naht eine der Hauptstörungen in den Südalpen und zeigt deutliche Anzeichen von tektonischer Aktivität. Befasst man sich mit seismischen Aktivitäten wird eine kontinuierliche mikroseismische Hauptaktivität im Gebiet Obervinschgau – Tauferpass – Ortlergruppe und eine leichte Korrelation mit der periadriatischen, tektonischen Linie (von Ost nach West: Pustertal – Ultental – Judikarien) erkannt [2].

Die Entstehung des Gardasees hängt mit der letzten Eiszeit (Würm-Eiszeit) zusammen, die sich im Zeitraum von 115.000 bis 10.000 Jahren vor heute abspielte. Der Etschgletscher (auch Rhätischer Gletscher) hatte Mächtigkeiten von rund 1800 Metern bei Trient und 2600 Metern im Vinschgau. Geht man davon aus, dass ein Gletscher eine Eismasse ist und dass ein Kubikmeter Eis rund 900 Kilogramm wiegt (ein Kubikmeter Wasser wiegt 1000 Kilogramm), kann man sich die immense Last ausrechnen, die auf die darunter liegende Geologie wirkt.

Nördlich von Trient unterteile sich der Etschgletscher in zwei Arme: Der linke Arm wurde vermutlich durch die Talengen zurückgestaut, während der rechte Arm über das Sarca-Tal (Valle del Sarca) mit dem Sarca-Gletscher das Becken des Gardasees aufschürfte. Der Gardasee entstand wie etwa auch die Seen des Salzkammerguts oder Kärntens als Gletscherrandsee (Fjordsee). Durch den Gletscherschliff entstand das U-förmige Tal im Bereich des Gardasees. Südlich vom Gardasee wurden bemerkenswerte Endmoränen aufgeschüttet, die sich heute als Moränenhügel darstellen. Im nördlichen Bereich in den so genannten „Marocche di Dro“ vollzogen sich im Zuge der letzten Eiszeit zahlreiche Fels- und Bergstürze, die bis heute hin an eine Mondlandschaft erinnern.

Ist man am Gardasee entlang der Straßen unterwegs, die regelrecht in den Stein gehauen wurden, werden die geologischen Auffaltungen mit komplexen Verwerfungen, aber auch übersteile und nahezu senkrechte Felswände bewusst, die anfällig sind für Steinschläge und Felsstürze.

Übersicht: Geologische Zeitskala

Präkambrium: Vor über 541 Millionen Jahren

Paläozoikum (Erdaltertum): 541 bis 252 Millionen Jahre vor heute

  • Kambrium: 541 bis 485 Millionen Jahre vor heute
  • Ordovizium: 485 bis 444 Millionen Jahre vor heute
  • Silur: 444 bis 419 Millionen Jahre vor heute
  • Devon: 419 bis 359 Millionen Jahre vor heute
  • Karbon: 359 bis 299 Millionen Jahre vor heute
  • Perm: 299 bis 252 Millionen Jahre vor heute

Mesozoikum (Erdmittelalter): 252 bis 66 Millionen Jahre vor heute

  • Trias: 252 bis 201 Millionen Jahre vor heute
  • Jura: 201 bis 145 Millionen Jahre vor heute
  • Kreide: 145 bis 66 Millionen Jahre vor heute

Känozoikum (Erdneuzeit): 66 Millionen Jahre bis heute

  • Pälogen: 66 bis 23 Millionen Jahren vor heute
    • Paläozen: 66 bis 56 Millionen Jahre vor heute
    • Eozän: 56 bis 34 Millionen Jahre vor heute
    • Oligozän: 34 bis 23 Millionen Jahre vor heute
  • Neogen: 23 bis 2,6 Millionen Jahre vor heute
  • Quartär: 2,6 Millionen Jahre bis heute

Literatur:

[1] Ulrich Maniak: „Hydrologie und Wasserwirtschaft“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2016

[2] Autonome Provinz Bozen: „Report Naturgefahren 2019“, Bozen 2019

[3] Volkmar Stingl und Volkmar Mair: „Einführung in die Geologie Südtirols“, Autonome Provinz Bozen, Bozen 2005

[4] Istituto Superiore per la Protezione e la Ricerca Ambientale: „Note illustrative della carta geologica d‘Italia alla scala 1:50.000 – Foglio 080 – Riva del Garda“, Padova / Treviso 2012

2 Antworten zu „Geologie des Gardasees“

  1. Avatar von Die Winde am Gardasee – Demanega

    […] Geologie am Gardasee sowie das Klima am Gardasee bedingen sich gegenseitig. Die Geologie bedingt die klimatischen […]

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  2. Avatar von Wer war Adolf Pichler? – Demanega

    […] Adolf Pichler erkundete die Nördlichen Kalkalpen, unterteilte die Trias zur Identifizierung der Gesteine in 12 Abschnitte, legte besonderen Wert auf Erkundung von Fossilien. Auf der anderen Seite befasste sich Pichler ausgiebig mit Erstarrungsgesteinen, darunter mit dem Bozner Quarzporphyr, mit dem Diorit von Klausen, dem von ihm entdeckten Diorit von Lüsen sowie mit den Basalten im Gardaseegebiet. […]

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