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Geologie und Baugrunduntersuchung

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Der Boden ist die große Unbekannte und folglich – immer – ein Risiko in der Bauausführung, sodass sich die detaillierte Baugrunduntersuchung auszahlt, um nicht vor unangenehme Überraschungen gestellt zu werden. Zwar ist der Baugrund haftungstechnisch in der Sphäre des Bauherrn anzuordnen, doch verlagert sich die Verantwortlichkeit bei mangelhafter Voruntersuchung auf den Planer und gegebenenfalls auf die Ausführenden.

Im Bereich des Baugrundes kommt natürlich erschwerend hinzu, dass dieser nicht immer lineare und homogen verläuft, sondern sich deutlich schlechtere Baugründe einschieben können, die – insofern unentdeckt – größere Probleme im Bereich von Setzungen hervorlösen können.

Vielfach werden Baugrunduntersuchungen sporadisch durchgeführt in der Hoffnung, dass der Baugrund schon nicht so schlecht sein wird und sich das Bauwerk samt Gründung letzten Endes recht „gütig“ verhalten wird, was effektiv oftmals der Fall ist. Allerdings besteht dann, wenn viel Kapital im Bauwerk gebunden ist, berechtigterweise eine hohe Sensibilität. An der gewissenhaften Untersuchung des Baugrundes führt letztlich kein Weg vorbei.

Die einfachste und notwendigste Art und Weise der Baugrunduntersuchung besteht darin, sich ein größer angelegtes Verständnis über den Baugrund anzueignen, indem geologische Karten studiert werden und im Rahmen einer Begehung die Gegebenheiten geprüft werden, mitunter mit Hammer, Meißel und Schaufel. „Aus dem geologischen Befund lassen sich Ablagerungen, Verwerfungen, Klüfte, Dolinen u. a. voraussagen und oft Schlüsse auf die Eigenschaften des Baugrundes ziehen“ [1].

Die geologische Erkundung ist im gebirgigen und hügeligen Gelände natürlich am aufschlussreichsten. Aber: „Auch im Flachland und an der Küste spielen geologische Unterschiede, wie z. B. der Unterschied von alluvialem und diluvialem Sand, bei vielen Entscheidungen eine Rolle. Während der alluviale Sand [alluvial, von Anschwemmung] durch Wasser und in den Dünen durch Wind abgelagert wurde und insbesondere im letzten Fall eine lockere Lagerung besitzt, ist der diluviale Sand [diluvial, von Überschwemmung] – abgesehen von den sog. „Talsanden“ – infolge der während der Eiszeiten auf ihm lastenden großen Pressungen vorbelastet und dadurch tragfähiger“ [1].

Insbesondere die Kenntnis der Eiszeiten, die einen Boden betroffen haben können, ist im Bereich der Beurteilung des Baugrundes entscheidend. Die letzte Eiszeit endete bekanntlich vor rund 10.000 Jahren. Glücklicherweise orientiert sich die geologische Zeitskala nach den Eiszeiten, sodass das Nacheiszeitalter mit Holozän bezeichnet wird, welches mit dem Pleistozän, dem eigentlichen Eiszeitalter, dem Quartär angehört, welches vor etwa 2,6 Millionen Jahren begann.

Weiters ist die Untersuchung der Pflanzenwelt im Sinne der Ingenieurbiologie aufschlussreich, um Kenntnisse über den Ursprung des Bodens zu erlangen.

Literatur:

[1] John Grotzinger, Thomas Jordan: „Press /Siever: Allgemeine Geologie“, Springer Nature, Berlin Heidelberg 2017

[2] Helmut Prinz und Roland Strauß: „Ingenieurgeologie“, Springer Spektrum, Berlin 2017

Eine Antwort zu „Geologie und Baugrunduntersuchung“

  1. Avatar von Spezialtiefbau: Wer hoch hinaus will, muss tief gründen – Demanega

    […] Geologie und Baugrunduntersuchung […]

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