Es gehört zur Tendenz unserer heutigen Zeit, politisch im Unklaren und Unverbindlichen zu bleiben und sich – mangels Haltung – im Notfall der jeweils vorherrschenden Meinung anzuschließen, die allerdings variieren und rotieren kann. Aus dem vermeintlich Unpolitischen ergibt sich folglich eine politische Einseitigkeit devoter Natur.
Eine andere, „rebellischere“ Tendenz legt sich vorzugsweise mit abstrakt-diffusen Allgemeinheiten an: Im Allgemeinen lassen sich Vorwürfe relativ mutlos formulieren, es ist ohnehin mit keinen Konsequenzen eines realen Gegenübers zu rechnen.
Gewissermaßen entsprechen Studentenverbindungen dem analogen Streben nach Vernetzung und Elite. Studentenschaft verstand sich als leitende Verpflichtung gegenüber dem Vaterland. Studentenverbindungen galten als Vorschule für das öffentliche Leben, gliederten in die Gesellschaft und in einen Lebensbund ein, der das Band von der Jugend bis zum Lebensabend spannt, dabei auch Lasten des Lebens durch Gemeinschaft abnimmt.
Andererseits ist konsequentes Unpolitischsein berechtigt. In einer Zeit, in der eine tonangebende Linke darauf drängt, den Spalt zwischen privat und öffentlich zu schließen und den Alltag permanent verpolitisiert, ist das Unpolitischsein ohne drohende Selbstauflösung allerdings eher nicht gangbar.
Charakter äußert sich in der Fähigkeit, eine Haltung, auch gegen Widerstände, einzunehmen, infolgedessen auf Ideale und politische Überzeugungen zu bestehen.
Ehre ist hingegen ein Begriff, der die Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit sowie die Integrität der Person bezeichnet. Dabei geht der Ehrbegriff so weit, dass Maßnahmen zu treffen sind, wenn die eigene Ehre in Frage gestellt wird, daraus resultieren Ehrenordnungen und Berufsordnungen.
Der Anspruch, eine moralische Elite darzustellen, resultiert aus diesem Ehrbegriff.
Während die so genannten „Helden“ unserer Zeit „antielitär“ und beliebig auftreten, um im Ernstfall dem Mainstream nachzugeben oder sich höchstens an diffusen Allgemeinheiten zu stoßen, bedeutet echte Führung die Fähigkeit, Richtungen und Ziele gegen Widerstände vorzugeben.
Die historischen Vorbilder liegen auf der Hand.
Die historischen Hintergründe von Gentleman-Clubs und Herrenklubs reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück und sind eng mit der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung Großbritanniens als Weltmacht verbunden. Diese Clubs entstanden als exklusive Versammlungsorte für Männer aus der Oberschicht, um soziale Kontakte zu pflegen und politische Diskussionen zu führen.
Die Mitgliedschaft in diesen Clubs war streng reglementiert und oft nur auf Einladung zugänglich. Die Mitglieder waren in der Regel wohlhabende Männer aus adligen Familien, der Politik, des Militärs oder der Wirtschaft.
Die Clubs spielten eine wichtige politische Rolle. Sie waren Treffpunkte für politische Diskussionen und dienten oft als informelle Versammlungsorte für politische Entscheidungsträger.
Mit dem Übergang auf Deutschland im 19. Jahrhundert wurden ähnliche Clubs auch dort populär, insbesondere in den größeren Städten wie Berlin, Hamburg und München, aber auch Wien. Diese deutschen Herrenklubs übernahmen viele der Traditionen und Konventionen ihrer britischen Vorbilder, obwohl sie oft eine etwas andere kulturelle Ausprägung hatten.
Insbesondere während der Kaiserzeit und der Weimarer Republik spielten politische Herrenklubs eine wichtige Rolle in der deutschen Politik. Sie waren Treffpunkte für Politiker, Militärs, Unternehmer und andere einflussreiche Persönlichkeiten, um informelle Netzwerke zu bilden und politische Entscheidungen zu besprechen.
Als Sonderstellung der deutschen Studentenschaft galt das studentische Fechten in Form der Mensur, das einen erzieherischen Zweck hat: Das Kontrahiertwerden, das Prinzip, zu entgegnen als sportliche Variante eines Ehrbegriffs, dem allerdings immer auch der jugendliche Mut und das Streben nach Ehre zentral sind.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere nach dem Ende der Weimarer Republik verloren viele politische Herrenklubs unter dem Eindruck egalitärer und antielitärer Gesellschaftstheorien massiv an Bedeutung und verschoben sich durch die Verdrängung zunehmend auf einen exklusiveren Kreis. Heute ist die Öffnung für das weibliche Geschlecht, je nach Ausrichtung der Netzwerk, relevant, wenngleich Netzwerke, die sich auf ein Geschlecht beziehen, legitim sind.
Die Politik im Großen pflegt natürlich weiterhin ihre Netzwerke, nur sind diese statt aufs Vaterland und auf die Verpflichtung für das Eigene auf internationale Machtzirkel fokussiert, die Menschen und Kapital über Grenzen hinweg verschieben wollen.
Literarur:
[1] Sonja Levsen: „Elite, Männlichkeit und Krieg: Tübinger und Cambridger Studenten 1900-1929“, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006


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