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Der gute Staat bei Platon: Idee und Leuchtturm

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Was ist ein guter Staat respektive eine gute Verwaltung? Kann es überhaupt so etwas, wie einen guten Staat gaben? Ist die Debatte rund um einen guten Staat überhaupt noch zielführend in einer Zeit, in der das Ansehen der Politik tiefer kaum sein könnte und sich die allgemeine Haltung durchgesetzt hat, es gäbe in der Politik von heute kein allgemeines Gerechtigkeitsprinzip, sondern nur noch Privilegien und Korruption, sodass eine Tendenz in Richtung Protestwahl besteht mit einem fortschreitenden Tieferlegen der eigenen Ansprüche an das Politische.

Fest steht, dass der resignative Rückzug aus dem Politischen keine Option ist, sondern Macht an anderweitige Institutionen verlagert, sodass diese nicht mehr durch politische Strukturen ausgeübt wird, sondern durch außerpolitische oder postpolitische Strukturen, was uns jeder Teilhabe an der Macht beraubt und folglich einen Zustand schafft, der um einiges eklatanter und folgenschwerer ist. Abseits einer allgemeinen Politikverdrossenheit ist der zumindest theoretische Glaube an den guten Staat essenziell, um ein Gemeinwesen zu strukturieren. Platon liefert Anhaltspunkte.

Platon war Schüler von Sokrates und Lehrer von Aristoteles. Platon gründete die Akademie in Athen, eine der frühesten Institutionen für höhere Bildung in der westlichen Welt. Seine Werke „Der Staat“ und „Phaidon“ haben einen bedeutenden Einfluss auf die Philosophie, insbesondere auf die Bereiche der Ethik, Metaphysik und politischen Philosophie, ausgeübt.

Platon diskutiert in „Politeia“ den so genannten „idealen Staat“ und eröffnet den Widerspruch zwischen gerechtem und ungerechtem Staat. Eine Diskussion, die in der politischen Philosophie folgenschwer sein sollte.

Bereits durch Aristoteles eröffnet sich der Disput über unterschiedliche Auffassungen von Staatlichkeit. Während für Platon der Staat eine Einheit der Gesellschaft in Form des idealen Staates herstellen sollte und den Begriff des gemeinschaftlichen Eigentums weit fasste, widersprach Aristoteles dem Ansatz grundlegend und plädierte unter Berücksichtigung aller möglichen Staatsformen für die „bestmögliche“. Die verfügbaren Staatsformen werden auf ihre Funktionalität hinterfragt anstatt das ideale Staatswesen zu skizzieren.

Damit sollte die historische Auseinandersetzung mit Platon ihren Anfang nehmen, aber auch zwei Denktraditiondn, die sich fortan auf Platon und Aristoteles beziehen sollten. Platon geht von einer höheren, idealen Wirklichkeit aus. Aristoteles hat andere Vorstellungen von Erkenntnis, die sich nicht nur aus einer höheren Macht, sondern aus Erfahrung ergebe. Demgemäß geht es Aristoteles weniger um den idealisierten Staat, sondern vielmehr um die Begründung von Staatlichkeit aus der Natur des Menschen und seiner sozialen Wirklichkeiten heraus.

Cicero übernimmt in „De re publica“ den Aufbau von Platons Politeia und knüpfte an das Vorbild Platon an, konstruierte den Begriff des Gemeinwesens als Res publica. Intensiv wurde Platon im Christentum, Judentum und Islam behandelt. Thomas Morus sollte in der Neuzeit intensiv auf Platon Bezug nehmen. Thomas Hobbes eröffnete hingegen unter dem Eindruck des Bürgerkriegs eine andere Opposition, jene der Herrschaft und der Herrschaftslosigkeit. Karl Popper erkannte hingegen mit Blick auf die Katastrophen des 20. Jahrhunderts in Platon den Urheber einer totalitaristischen Staatsauffassung. Popper kritisierte an Platon, dass dieser sich überhaupt angemaßt hatte, eine Utopie zu begründen und dass die Utopie in die Dystopie umschlagen werde, weil die Umsetzung einer Utopie nur durch totalitäre und zentralisierte Methoden denkbar sei. Während Hobbes über ein grundsätzlich negatives Menschenbild verfügt, das materialistisch ist, ist das Menschenbild Platons tugendhaft und positiv und nicht materialistisch ausgelegt.

Die kontroverse Auseinandersetzung mit Platons Politeia betrifft folglich weitaus mehr als 2000 Jahre politischer Ideengeschichte.

Zentral ist bei Platon die Frage nach dem guten Leben und dem Streben nach Glück. Inneres Glück stelle sich ein in einer tugendhaften Lebensführung, die auf Tapferkeit, Wahrhaftigkeit oder Opferbereitschaft ausgelegt sei. Dabei nimmt die Gerechtigkeit die zentrale Stellung ein als „die Haltung desjenigen Menschen, der seine Tugenden zu einem solchen Ganzen integriert hat, dass er gar nicht anders leben kann, als interessiert daran zu sein, dass auch die anderen Menschen tugendhaft werden und ein gelungenes Leben führen können“. Die Tugend verweist zu einem Leben als einem Ganzen.

Gerechtigkeit ist zwar ein Prinzip für ein gemeinschaftliches Zusammenleben, für den Einzelnen ist allerdings ein ungerechtes Handeln womöglich vorteilhafter, zumindest kurzfristig.

Für Platon gibt es so etwas, wie eine Ordnung der Gerechtigkeit. Ausgehend von einem Menschenbild entwickelt Platon eine politische Theorie der Gesellschaft. Das Leben gelingt nach Platon, wenn sich die Vernunft im eigenen Inneren durchsetze. Durch das gerechte Leben würde sich Glück vollziehen.

Platon überträgt die Gerechtigkeit im Inneren auf die Gerechtigkeit im Staat. Aus dem Menschenbild wird folglich eine gesellschaftliche und politische Ordnung konstruiert. Der Staat hat die Aufgabe, eine sinnvolle Ordnung durch Etablierung von Herrschaft durchzusetzen. Da Gerechtigkeit eine philosophische Fragestellung ist, gewährt Platon den Philosophen die Legitimation zur Herrschaft.

Platons Ordnung ist eine „ideale Utopie“, die Übertragung der Herrschaft auf die Philosophen –man könnte heute von einer Technokratie sprechen –, ist nämlich weder vorteilhaft noch bedingungslos gerechter. Im Sinne einer „Res publica“ wird nämlich die Herrschaft des Volkes postuliert.

Im Wesentlichen geht Platon von einer natürlichen Gerechtigkeit im Sinne des Naturrechts aus. Aus der Tugend ergibt sich der so genannte „gerechte Herrscher“ oder „gute Herrscher“. Die Legitimität der Herrschers ist nach Platon an die Haltung zum Guten in Form der Herrschaft.

Zu Recht hat man Platon zum Vorwurf gemacht, einen hierarchischen Staat zu begründen. An dessen Spitze sollen nämlich die Philosophen stehen, die über Weisheit verfügen würden. Gefolgt von den Kriegern oder Wächtern und zuletzt von den Arbeitern. Platon geht von einem universellen Gerechtigkeitsbegriff aus. Demgegenüber denkt Aristoteles über Gerechtigkeitskorrekturen und ausgleichende Gerechtigkeit nach.

Kritik an Platon ist legitim und notwendig. Das Prinzip des guten Staates bleibt allerdings ein Leuchtturm, auch und vor allem im Sinne einer Politik, der am politischen Realismus gelegen ist. Die berechtigte Kritik an der Politik ist durch Instrumente zu beseitigen, die die negativen Ursachen und Symptome beseitigen. Eine Ablehnung des Politischen als solchem ist aber nachteilig und destruktiv.

Aus dem „idealen Staat“ ergibt sich auf das Heute bezogen die Notwendigkeit der „guten Verwaltung„. Ohne derartig starke, positiv affektierte Visionen verläuft sich eine politische Ordnung.

Literatur:

[1] Walter Schweidler: „Der gute Staat – Politische Ethik von Platon bis zur Gegenwart“, Springer Verlag, Wiesbaden 2014

[2] Herfried Münkler & Grit Straßenberger: „Politische Theorie und Ideengeschichte“, CH Beck Verlag, München 2016

3 Antworten zu „Der gute Staat bei Platon: Idee und Leuchtturm“

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