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2014 – 2024: 10 Jahre „Südtirol“

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Die Publikation „Südtirol“ erschien im fernen Jahr 2014 als ca. 30-seitiger Essay zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Südtirols. 10 Jahre später ist einiges anders, vieles ist aber eingetreten, wie erwartet.

Der Essay war der persönliche Versuch, dem tagespolitischen Geschehen ein wenig mehr Tiefe und einige bleibende Gedanken mitzugeben, in der Hoffnung, dass eine inhaltliche Diskussion entstehen würde, die nicht nur die Oberfläche, sondern mitunter auch die politische Essenz behandeln würde, also das, was uns vorausgeht und unsere politische Praxis voraussetzt.

Es ist und bleibt nämlich ein Manko des politischen Zeitgeschehens, gerade in Südtirol, dass Probleme – wenn überhaupt – nur an der Oberfläche debattiert werden und folglich die Grundlagen und mit ihnen die politische Kultur verloren gehen. Das, was dann übrig bleibt, ist inhaltsleeres Marketing sowie „Populismus“ im wahrsten Sinne des Wortes, der einmal in diese und einmal in jene Richtung ausschlägt.

Michael Demanegas Südtirol

Worum ging es in dem Essay? Um Südtirol, um seine Autonomie, um die Charaktere der Autonomiepolitik, um Geschichte und Gegenwart, um die politische Klasse und um mehr Idealismus, um die Herausforderungen der Zeit und jene der Zukunft.

In Südtirol ist mangels Dynamik um die bessere Idee das Verbindende und Übergeordnete verloren gegangen. Alles ist erstarrt und festgefahren, insbesondere bei den großen Fragen, die die Zukunft unseres Landes betreffen.

„Südtirol“

Naiv war rückblickend die Intention, es könne in Südtirol so etwas, wie eine politische Debatte geben, die theoretisch, intellektuell, visionär ist. Zwischen vernichtender Kritik und Totschweigen sollte es keinen freien Raum geben und schon gar keine Debatte. Im eigenen Lager wenig beachtet, von anders gepolten Medien heftig kritisiert, da und dort aber auch Anerkennung.

Darüber hinaus kam das Büchlein zur denkbar ungünstigsten Zeit in einem politischen Südtiroler Tiefpunkt. Eine Breitenwirkung war – im Eigenverlag – undenkbar. Restbestände sind bei der Auflage von 1.000 Stück noch erhältlich.

Nach 10 Jahren kann eine Publikation wie die Schrift „Südtirol“ als Zeitdokument, also als Relikt einer bestimmten Zeit, einer bestimmten Phase und einer bestimmten Intention aufgefasst werden. Vieles mag veraltet und überholt sein. Einiges – und mehr als erwartet – bleibt aber auch allzeit gültig. Insbesondere ist jene Verschärfung der politischen Umstände eingetreten, die – mangels Rückhalt im Theoretischen und Weltanschaulichen – zwangsläufig war und ist. Der politische Umschwung, der 10 Jahre später heute stattfindet, sollte sich nicht durch Einsicht, sondern durch Aufprall auf dem Boden der Tatsachen vollziehen.

Ein klein wenig schwingt jugendliche Unbedingtheit mit, aber auch der Zauber einer „besseren“ Zeit, in der noch geträumt wurde, während die Politik heute weitgehend ihre Visionen aufgegeben hat und nur noch Verwaltung des Status Quo betreibt.

Es war eindeutig eine bessere Zeit und eine bessere Welt. Und vor allem bessere Träume.

Echte Politik ist ausgeübte Macht. Politik besteht in der Fähigkeit, am grundsätzlichen Lauf der Dinge etwas zu ändern und nicht darin, sich mit den Dingen zu arrangieren. Die Stärke eines Landes besteht in einer Politik, die frei ist. Wer äußerlich frei sein will, muss sich aber zu allererst einmal innerlich frei machen und befreien von Abhängigkeiten, Bestechlichkeit und von der Unfähigkeit, über den Status Quo hinauszudenken. Geschichte wird von Freien gemacht. Genau darum geht es: Als Freie dem Schicksal seine Prägung geben. Schließlich geht es um unser Land und um seine Zukunft. Mehr als die Vergangenheit muss uns die Zukunft dieses Landes interessieren.

„Südtirol“

Literatur:

Michael Demanega, „Südtirol“, Salurn 2014

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