Derzeit wird der Begriff der Künstlichen Intelligenz extrem exzessiv verwendet, sodass der berechtigte Zweifel besteht, ob es sich dabei mehr um Marketing oder Substanz handelt. Vielfach verwenden wir Künstliche Intelligenz, ohne dessen bewusst zu sein, vielfach wird uns Künstliche Intelligenz zwar versprochen, wir dürfen allerdings an ihrer Qualität zweifeln.
Maschinelles Lernen besteht in dem Vorhaben, Programme dazu zu bringen, aus Erfahrungen zu lernen und Entscheidungen folglich „erfahrungsbasiert“ anders zu treffen. Entgegen statischer Algorithmen wird der Algorithmus über Rückkopplungsschleifen verändert.
Die Artifizielle Intelligenz ergibt sich in diversen Qualitäten. Beim überwachten Lernen werden die Eingabedaten zugeordnet und gekennzeichnet, folglich ist der Datenverwertungsprozess strukturiert. Beim unüberwachten Lernen ist der Dateneingangsprozess offen, das System erkennt Strukturen in den Daten, interpretiert diese und wertet sie aus. Im verstärkten Lernen lernt das Programm aus Erfahrungen, indem es mit einer Umgebung interagiert, die Bewegungsfreiheit ist größer.
Die Relevanz der Künstlichen Intelligenz entsteht aus dem so genannten „Tiefen Lernen“. Während Rechenprogramme im traditionellen Ansatz über mathematisch formulierte Formeln arbeiten, ist menschliche Intelligenz in der Lage, durch intuitive Wahrnehmung die Lage einzuschätzen, zu bewerten und zu kommunizieren. Das tiefe Lernen (Deep Learning) ist folglich ein Teilgebiet künstlicher Intelligenz und bezieht sich auf Datenmengen, die über komplexe Beziehungen, die mit einem neuronalen Netz vergleichbar sind, auswertbar sind.
Die „Tiefe“ kommt begrifflich aus dem Umstand, dass zwischen Eingang und Ausgang der Daten verschiedene und vielfältige Ebene liegen. Dazwischen liegen versteckte Netze mit der Möglichkeit zur Rückkoppelung, aus der sich so genannte „Erinnerungen“ oder Strukturen ergeben. Durch die Vielzahl an Parametern und durch die Vielzahl an Rechenoperationen ist der Rechenaufwand komplex. Damit ein anvisiertes Output entsteht, sind Lernprozesse notwendig, damit sich in einem anfangs leeren System die Pfade ergeben, die zu dem gewünschten Ergebnis führen.
In der praktischen Ausführung besteht die Künstliche Intelligenz in der Funktion des Suchens und Auswertens, der logischen Entscheidungsfindung sowie in Optimierungsmethoden. Der Fokus künstlicher Intelligenz besteht methodisch in der Informationsbeschaffung, in der Erkennung und Verarbeitung von Sprache, Bildern, Symbolen, in Simulationen und maschineller Steuerung. Daraus ergeben sich weitreichende Einsatzfelder.
Dass Künstliche Intelligenz heute weitreichendes Interesse auf sich zieht, liegt an einer Erweiterung des Handlungsraumes durch große verfügbare Datenmengen und hohe Rechenleistungen. Dadurch ist die Leistungsfähigkeit immens und der Lerneffekt exponentiell, ebenso aber auch die Gefahrenlage.
Demgegenüber stehen ernsthafte Bedenken und weit reichende Sicherheitsrisiken. Die Gefahr einer „Auslöschung der Menschheit“ erscheint auf den ersten Blick als überzogen. Fest steht, dass Künstliche Intelligenz an und für sich keine Gefahr ist, sondern durch Menschen programmiert und zur potentiellen Gefahr gemacht wird.
Der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Rahmen bewusster Desinformationsstrategien (Deep fakes), zur Durchführung systematischer Cyberangriffe, für kriminelle Machenschaften (Phishing), zur Steuerung von Maschinen und Fahrzeugen sowie in der Sabotage und Kriegsführung ist alleine durch die technische Überlegenheit weitreichend. Erich Vad meint zur politischen Relevanz von Künstlicher Intelligenz: „Wenn ein Staat heute nicht sicherstellen kann, dass Cyberattacken abgewehrt werden, Informationen abfließen oder Desinformationskampagnen laufen, hat man einen Konflikt schon verloren, bevor er losgeht“ [3].
Auf der anderen Seite sind Vorteile der Künstlichen Intelligenz in der Gefahrenabwehr (Prognose und Aufklärung krimineller Akte durch Predictive Policing) und in der Strafverfolgung denkbar.
Inwieweit es durch Künstliche Intelligenz gelingt, technische „Wesen“ zu schaffen, die weitaus intelligenter sind als Menschen, ist derzeit noch reine Spekulation.
Es ist Aufgabe von Politik und von Staatlichkeit, Grenzen und Rahmenbedingungen zu setzen, Künstliche Intelligenz in den Dienst der Gesellschaft zu stellen und deren Missbrauch zu verhindern. Auf jeden Fall wird Künstliche Intelligenz die Art und Weise ändern, wie wir arbeiten, wie wir entscheiden, wie wir denken und wie wir handeln.
Literatur:
[1] Volker Wittpahl (Hrsgb.): „Künstliche Intelligenz – Technologie, Anwendung, Gesellschaft“, Springer Vieweg, Berlin Heidelberg 2019
[2] OECD: „Künstliche Intelligenz in der Gesellschaft“, Paris 2020
[3] „Die Digitalisierung des Krieges“, „Forbes“ 12 / 2019 (Link)


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