Ächtung bezieht sich auf den Prozess, bei dem eine Person, eine Regierung oder eine politische Institution eine Person, eine Gruppe oder sogar ein Land aus politischen Gründen isolieren oder sanktionieren. Das kann durch diplomatische Maßnahmen wie Sanktionen oder andere Formen der Isolation geschehen. Im Banalsten durch üble Nachrede. Politische Ächtung dient dazu, Druck auszuüben und ein bestimmtes Verhalten zu ändern.
Als soziale Erziehungsmaßnahme wird durch gezielte Ächtung eine Warnung gegenüber all jenen ausgesprochen, die abweichen oder abzuweichen drohen. Ihnen droht die Isolation. Politische Ächtung wird spätestens dann zum Problem, wenn damit aus einer Machtposition heraus legitime Haltungen eingeschränkt werden. In einem Rechtsstaat befindet die Judikative über politische Grenzen und nicht ein interessengeladener Komplex aus Politik und Medien.
Ächtung ist infolgedessen ein machtpolitisches Instrument der Gleichschaltung. Unpopuläres Verhalten sowie nichtgewünschte Haltungen werden ausgeschaltet. Dadurch wird ein allgemeiner „Konsens“ bewirkt, der allerdings kein effektiver ist, sondern ein machtpolitischer. Es handelt sich um Missbrauch von Macht, um die Opposition zu unterdrücken oder abweichende Meinungen zu eliminieren, indem Personen oder Gruppen ausgegrenzt, isoliert oder verfolgt werden. Die Strategie der Ächtung dient dazu, eine einheitliche Meinung oder Loyalität zu erzwingen und jegliche Form von Abweichung zu unterdrücken.
Die Ächtung ist ein Thema, das in der politischen Literatur behandelt wird. In dystopischen Romanen wie George Orwells “1984” oder Ray Bradburys “Fahrenheit 451” wird die Ächtung als Mittel der Regierung dargestellt, um Dissens und abweichendes Verhalten zu kontrollieren und zu bestrafen.
Ernst Jünger beschreibt in seinem Werk „Der Waldgang“ die Idee des Waldganges als eine Form der inneren und äußeren Freiheit, die es dem Individuum ermöglicht, sich den Zwängen der Gesellschaft zu entziehen und eine autonome Existenz zu führen. Die Ächtung im Waldgang bezieht sich auf die Ablehnung und den Bruch mit den machtpolitischen Normen und Konventionen der Gesellschaft, um einen eigenen Weg zu finden und zu gehen. Jünger betont dabei die Notwendigkeit, sich von vermeintlichen äußeren Autoritäten und Einschränkungen zu lösen, um ein authentisches Leben im Eigenen und Echten zu führen.
Die Strategie Ächtung besteht darin, sich mit bestimmten Meinungen vermeintlich gar nicht erst befassen zu müssen, folglich den Diskurs von vornherein einzuschränken. Das angestrebte Resultat ist Konformismus, in dem Menschen ihre Meinungen, Überzeugungen oder Verhaltensweisen anpassen, um den Normen, Erwartungen oder Werten einer Gruppe oder Gesellschaft oder „Pressure groups“ zu entsprechen. Dies kann aus dem Wunsch heraus geschehen, akzeptiert zu werden, soziale Anerkennung zu erhalten oder Konflikte bis Ausgrenzung zu vermeiden.
Und doch gibt es Strategien, der Ächtung zu begegnen. Der Ächtung widerstehen, sich ihr widersetzen, das Beispiel sein, dass es auch anders geht, dass Kreativität grundsätzlich nur in offenen und nicht gleichgeschalteten Systemen denkbar und möglich ist, schafft einen neuen Rahmen. Wenn es um eine andere politische Kultur und um eine kulturelle Revolution und nicht nur um klein gefaste Änderungen gehen soll, dann ist es unbedingt notwendig, die Mauer der Ächtung zu durchbrechen und die Rahmenbedingungen für alle neu zu setzen.
Die Ächtung und Isolation steht in Zeiten neuer digitaler Souveränitäten, in denen viele Einzelne ihren Einfluss auf das Ganze erkennen und sich auch immer mehr als „Demos“ verstehen, glücklicherweise zur Disposition.


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