Wenngleich der Jahreswechsel nur das Datum in der Jahresangabe ändert, tragen wir dieses Datum rund 365 oder 366 Tage mit uns herum, sodass wir an der Schwelle des neuen Jahres doch daran denken müssen, was war und was wird und was sein soll.
Intensiv denken wir in diesen bestenfalls ruhigen Tagen daran, wer dieses Jahr bereichert hat, wer nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken ist, wer einen festen Bestandteil in unserer Welt einnimmt und wen wir entsprechend in unserem Herzen haben wollen.
Wir denken aber auch daran, wer nicht mehr da ist, wen wir vermissen, was wir vermissen, was vergangen und „verwandelt“ (Rilke) ist. Vergangen sind insbesondere die schönen und geborgenen Momente in unserer Kindheit mit unseren Eltern und Geschwistern, sie sind allerdings tief ins uns drin, leider nicht mehr zurück zu holen, sie bleiben aber lebendig mit der Verantwortung und Pflicht, diese Geborgenheit an unsere Kinder weiter zu geben.
Es ist das Teilhaben am Kreis des Lebens, das unser Leben sinnvoll macht. Es zählt das Primat des Eigenen, weil es darum geht, den eigenen Kreis des Lebens weiter zu drehen, das Vergangene in Demut zu ehren und mit Zuversicht und Freude weiter zu geben. Wem diese direkte Teilhaben verwehrt bleibt, für den gibt es allerhand Chancen, sich für die Gemeinschaft einzubringen.
Wir denken folglich daran, wie wir diese Welt um uns herum erhalten und weitergeben wollen und worin die Gefahren und Herausforderungen unserer Zeit bestehen, die kaum klein zu reden und weg zu betäuben sind.
Letztlich leben wir, um zu hinterlassen. Und wir werden danach beurteilt, was wir hinterlassen. Wir werden auch danach beurteilt, wie wir uns für ein tragfähiges Ganzes einsetzen, das Generationen überdauert.
In einer Zeit, in der wir mit abstrakten Gesellschaftskonstruktionen konfrontiert werden, die instabil und nicht tragfähig sind und die nicht einmal auf einem festen Baugrund gründen, ist es unsere Pflicht, auf das Konkrete, sich Bewährende, Bewährte, Erfahrene und Evidente hinzuweisen. Wir können und wollen unseren Kindern keine elfenbeinartigen Luftschlösser hinterlassen, die faktisch kollabieren und unsere Heimat in Trümmern vergraben.
Wir wollen und werden uns sowohl gegen den beabsichtigten Umbau unserer Gesellschaft als auch gegen die vielschichtigen Angriffe auf unser Gemeinwesen wehren.
Das Abstrakte ist nichts, das Konkrete ist alles. An der Schwelle zum neuen Jahr ist es unsere Pflicht, am Zukunftsfähigen, an der lebenswerten Heimat für unsere Kinder, an Sicherheit und Geborgenheit, woraus sich Freiheit, Selbstentfaltung und Unabhängigkeit ergeben, zu arbeiten und das abstrakt Versagende als solches zu benennen und zu konterkarieren.


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