Unser Bedarf an elektrischer Energie nimmt drastisch zu. Insbesondere durch die zunehmende Etablierung von Elektromobilität, aber auch durch Wärmepumpen steigt das immense Interesse der Endverbraucher, kostengünstig zu laden. Nach oben gehen aber auch die notwendigen Kapazitäten an elektrischer Energie.
Eine dezentrale Versorgungsstruktur mit Energie generiert erhebliche Entwicklungspotentiale für den ländlichen Raum, indem eine lokale Wertschöpfung angestrebt und der Mittelabfluss minimiert wird. Minimiert wird dadurch auch die ökonomische und politische Abhängigkeit einer Region. Darüber hinaus gehend sind volkswirtschaftlich betrachtet Energieimporte sowie Energieexporte in bestimmtem Ausmaß gegebenenfalls sinnvoll.
Steigende Energiepreise wirken sich als Belastung einer Volkswirtschaft aus, die dementsprechend Handelsüberschüsse erzielen muss, um die steigenden Energiekosten zu tragen. Zudem verlieren die einzelnen Haushalte deutlich an Kaufkraft verlieren durch steigende Energiepreise.
Ein technischer Vorteil einer dezentralen und kleinstrukturierten Energieversorgung liegt in dem Umstand, dass der Ausfall einzelner Anlagen eine beschränkte Auswirkung auf das gesamte Energiesystem hat. Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der effektiv zu entrichtende Strompreis die Stromherstellung, die Netzverteilung sowie allfällige Gebühren umfasst, werden durch eine dezentrale Energieversorgung die Netzgebühren sowie die Netzverluste minimiert, folglich die Effizienz gesteigert. In Deutschland gehen rund 5 bis 6 Prozent der bereitgestellten Energie im Stromnetz verloren, was volkswirtschaftlich nicht unbedeutend ist.
Eine wichtige Fragestellung im Sinne der Energiewirtschaft ist einerseits die Energiedichte verschiedener Energieträger und andererseits der immense Aufwand, um Energieträger mit einer hohen Energiedichte zu gewinnen. Kernenergie, aber auch Wasserstoff und fossile Brennstoffe weisen eine sehr hohe Energiedichte vor, die ein Vielfaches der Energiedichte von Biomasse beträgt, sodass theoretisch betrachtet ein erhöhter logistischer Aufwand entstehen würde, der allerdings in Form des Transports der Energie als elektrische Energie nur bedingt entsteht.
Um nicht-erneuerbare Energie zu gewinnen, etwa Erdöl, Erdgas, Schieferöl, Braun- und Schwarzkohle oder Uran, ist ein immer höherer technischer, energetischer und finanzieller Aufwand notwendig. Wird das Verhältnis zwischen Nettoenergie und Energieaufwand betrachtet, erzielen Uran oder Schieferöl, aber auch Erdöl schlechte Energieausbeuten, die beim Wind deutlich besser sind [3].
Andererseits ist der Flächenbedarf eines Energieträgers interessant. Problematisch ist in allen wirtschaftlichen Belangen der Umstand, dass Fläche nicht vermehrbar ist, folglich der Flächenpreis bei steigenden Interessenten, auch im Energiebereich und nicht nur im Immobilienbereich, steigen. Photovoltaik erzielt mit 150 bis 200 kWh pro Quadratmeter (bei günstiger Ausrichtung) und 45 bis 100 pro Quadratmeter (bei ungünstiger Ausrichtung) eine extrem hohe Energieausbeute, kleine Windparks kommen auf 60 kWh pro Quadratmeter, große Windparks auf 20 kWh pro Quadratmeter, Biomasse nur auf 1 bis 5 kWh pro Quadratmeter [3]. Daraus wird evident, dass Windparks vor allem dort wirtschaftlich sind, wo – wie offshore – die Fläche gewissermaßen zur Verfügung steht, was ökologisch natürlich auch nur bedingt gilt.
Wie wesentlich der Energiemix insbesondere im Kontext fluktuierender erneuerbarer Energieträger ist, liegt auf der Hand. Der Energiemix erzielt jahreszeitliche Ausgleicheffekte und eine Flexibilisierung. In diesem Sinne bilden Biomasse, Windenergie, Solarenergie, Geothermie und Wasserkraft an Mosaik an konkreten Betätigungsfeldern.
Auf Südtirol bezogen muss eine ausbaubare dezentrale Energieversorgung, die leistbare Energie für möglichst viele Endanwender garantiert, sowie Energieexporte in Zeiten überschüssiger elektrischer Energie im Fokus stehen.
Literatur:
[1] Panos Konstantin: „Praxisbuch Energiewirtschaft – Energieumwandlung, -transport und -beschaffung, Übertragungsnetzausbau und Kernenergieausstieg“, Springer Verlag, Berlin 2017
[2] Andreas Seeliger: „Energiepolitik – Einführung in die volkswirtschaftlichen Grundlagen“, Verlag Franz Vahlen, München 2018
[3] Christian Synwoldt: „Dezentrale Energieversorgung mit regenerativen Energien – Technik, Märkte, kommunale Perspektiven“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2021
[4] Viktor Wesselak, Thomas Schabbach, Thomas Link, Joachim Fischer: „Handbuch Regenerative Energietechnik“, Springer Verlag, Berlin Heidelberg 2017


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