Solange sich keine größere Krise abzeichnet, sind abstrakte Theorien offenbar ein probates Mittel, um sich eine vermeintlich „bessere“ Wirklichkeit zu imaginieren, die allerdings in den meisten Fällen wenig mit dem effektiven Lauf der Dinge zu tun hat. Aus der abstrakten Imagination ergibt sich die Entfremdung gegenüber der Wirklichkeit, die sich in der Krise in eine unermessliche Entfremdung steigert.
Eröffnet sich die Krise, relativieren sich die Abstraktionen und es stellt sich allmählich heraus, dass abstrakte Theorien ausschließlich benebeln und verwirrren und im Ernstfall verflüssigen, stellt sich mit der Krise nämlich auch eine allgemeine Orientierungslosigkeit und Haltlosigkeit ein und abstrakte Theorien sind ganz gewiss keine Option mehr. Es fragt sich, wer oder was die Krise zu überwinden vermag. Gewiss keine Abstraktionen, die die Krise unmittelbar bewirkt haben, sondern nur das grundsätzlich andere.
In der Erfahrung der Krise zählt nur noch das, worauf sich bauen lässt, das Widerstand leisten kann, folglich das Absolute und Konkrete, das Greifbare und Unmittelbare als Gegenentwurf zur bizarren Abstraktion. Das gilt besonders in einer globalisierten Welt, die durch exzessive Haltlosigkeit gekennzeichnet ist.
Gegen die Abstraktion und gegen die globalisierte Haltlosigkeit gilt es konkrete Gegenmaßnahmen zu setzen. Nicht durch Populismus, der sich immer in enttäuschtem Nichts äußert, sondern durch Substanz, die aus anthropologischer Evidenz sowie aus dem Willen resultiert, konkret nach diesen Evidenzen zu gestalten und dabei eine langfristige Ausrichtung im Blick zu behalten.
Es geht in Zeiten der Krise um das Lokale und Regionale als Widerstand gegen die mondäne Weltflucht, hinter deren abstrakten Idealen ausschließlich fragwürdige Interessen stehen. Es geht um das Leben im Einklang mit sich selbst. Um die prägende Erfahrung der unmittelbaren Natur, des Bodens, der Ressourcen, der Landschaft. Um Rückbindung in der Geschichte und in der Kultur. Um die Auseinandersetzung mit dem Land, in dem wir aufgewachsen sind oder – mehr noch – in dem wir unsere Zukunft verbringen wollen. Um die Eingliederung in die Zeiten und Generationen.
Daraus folgend um den Einsatz für die unmittelbare Heimat, für die Familie im Engeren und für das Gemeinwesen als Staatlichkeit im Weiteren. Und in diesem Sinne selbstverständlich auch für eine Staatlichkeit, die in Zeiten globalisierter Verflüssigung an den Boden zu binden vermag und Sicherheit kann. Mit Mut zur Sezession vom Mainstream und vom Gefallenwollen durch diejenigen, die vermeintlich die „Avantgarde“ darstellen, was mehr Schein als Sein ist.
Die Zukunft ist die Zeit, die wir proaktiv gestalten wollen und müssen. Im Positiven, nicht durch Pessimismus und durch abstrakte Weltenflucht. Durch die konkrete Handlung und nicht durch jene Abstraktion, die für die derzeitige Krise verantwortlich zeichnet. Durch den Willen zur Form, zur Ästhetik und zur Schönheit. Durch Auseinandersetzung mit der Welt und dem großen Ganzen. Als konkrete Möglichkeit, auch in der Moderne einen realpolitischen Gegenentwurf zur Abstraktion zu bilden.


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